TEH - Die Traditionell Europäische Heilkunde

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TCM oder lieber TEH

Die TCM Traditionell chinesische Medizin ist heute fast jedem ein Begriff, doch kennen Sie auch TEH, die Traditionell europäische Heilkunde?
Hinter diesem Begriff verstecken sich die namhaften Erkenntnisse und Heilweisen aus der Volksmedizin, die uns aus der Geschichte überliefert wurden.

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Hildegard von Bingen (1098- 1179) war Benediktinerin, Äbtissin und eine bedeutende Universalgelehrte. Die römisch-katholischen Kirche führt sie als Heilige.

Sie gilt als erste Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters, ihre Werke befassen sich unter anderem mit Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie. Zu ihrer Zeit bewegte sie sich mit ihrer Bildung, ihrem Anspruch in der Deutung von religiösen Fragen und ihrem gesamten Auftreten weit außerhalb der üblichen Frauenrolle. Innerhalb der Kirche und in dem von ihr geleiteten Kloster stützte sie ihren Anspruch auf ihre göttlichen Visionen, die vom Papst anerkannt wurden.

Geführt von ihren Visionen und mit den Erkenntnissen der Klostermedizin wurden ihre beiden bekanntesten Handschriften „Physica“ und „Causae et curae“. Die Leistung Hildegards liegt unter anderem darin, dass sie das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit dem der Volksmedizin zusammenbrachte, so dass ihre Schriften auch von jedermann genutzt werden konnten. Neben Heilpflanzen und Kräutern spielten Gewürze eine große Rolle im Leben der Äbtissin. Ingwer, Bertram, Galgant und andere längst vergessene Gewürze kamen bei ihr zum Einsatz.

Heute ist die ganzheitliche „Hildegard-Medizin“ als sanfte Alternative zur Apparate-Medizin populär, im Gegensatz zur sonstigen Klostermedizin steht bei Hildegard aber auch die Spiritualität in einem engen Zusammenhang mit der Gesundheit. So heißt es: „Drei Pfade hat der Mensch in sich, in denen sich sein Leben tätigt: die Seele, den Leib und die Sinne“. Dieser ganzheitliche Ansatz unter Einbeziehung der Psyche findet sich ja auch in der Kneipp’schen Lehre wieder.

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Vinzenz Prießnitz (1799 bis 1851) wird als „Vater der Naturheilkunde“ bezeichnet.

Er gilt als Erneuerer der Kaltwasserkur in Österreich und Deutschland. Ursprünglich begann er nur mit kaltem Wasser zu heilen, durch die Erfahrungen mit 40.000 Patienten gliederte er nach und nach die Ernährung, ausreichende Bewegung und ein bewusstes Leben in seine ganzheitliche Therapie ein und legte damit den anerkannten Grundstein für die neuzeitliche Naturheilkunde. 

Mit 17 Jahren brach sich Prießnitz zwei Rippen, als von seinem scheuenden Pferd zu Boden geschleudert und anschließend vom angehängten Wagen überrollt wurde. Ohne Fixierung hätte dies zur lebensgefährlichen Verletzung innerer Organe führen können. Er half sich, indem er die verletzten Rippen mit einem in kaltes Wasser getauchten Umschlag fixierte und darüber mehrere eng anliegende Tücher band. Dies war die Geburtsstunde des Prießnitz-Umschlages. Die Rippen verheilten, und sehr schnell hatte der junge Prießnitz im weiten Umkreis den Ruf, ein „Wasserdoktor“ zu sein.

Im Jahr 1826 kamen die ersten Kranken von außerhalb zu Prießnitz. Von Neidern mehrfach angeklagt und wieder freigesprochen, bekam er 1830 die Genehmigung der österreichischen Regierung zur Errichtung und Führung einer Kaltwasser-Heilanstalt. Bereits 1832 wurde ein zweites Anstaltsgebäude gebaut mit 18 Zimmern und einem Saal. Insgesamt konnten in der Heilanstalt gleichzeitig etwa 100 Kranke untergebracht werden. Bis zu seinem Tod behandelte der „Wasserdoktor“ hier etwa 36.000 Patienten.

Das Wesentlichste seiner Methode sah er in der Anregung der Naturheilkraft zur Ausscheidung krankhafter Produkte durch Vollbäder, Teilbäder, Abreibungen und Übergießungen mit verschieden temperiertem Wasser. Dazu kam das „Luftbad“, ferner eine Lebensweise, die Barfußgehen, bäuerliche Kleidung und deftige Ernährung bevorzugte und die Kurgäste aus ihrem gewohnten bürgerlichen Milieu herausführte.

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Sebastian Kneipp (1821-1897) war katholischer Priester und Naturheilkundler. Eine Erkrankung mit Tuberkulose zwang ihn dazu, sich mit verschiedenen Heilmethoden auseinanderzusetzen, unter anderem auch mit der Hydrotherapie, gefunden in einem Buch des Arztes Johann Siegmund Hahn.

Als es ihm gelang, seine Krankheit mit kalten Wassergüssen aus der Donau, körperlicher Bewegung und ausgiebigen Ruhephasen zu heilen, war sein Forschergeist entfacht. Nach dem legendären Bad in der Donau erprobte Kneipp noch viele Güsse und Bäder in wechselnder Intensität an sich selbst und erschuf daraus sein eigenes Behandlungssystem.

Als er begann, auch Patienten gemäß seiner Erkenntnisse mit Erfolg zu behandeln, wurde Sebastian Kneipp in der Bevölkerung immer beliebter und machte sich als „Wasserdoktor“ einen Namen. Ärzten und Apothekern allerdings missfiel, dass Kneipp Kranken schnell und kostenlos half. Sie erstatteten sogar Anzeige gegen ihn, doch Kneipp wurde vor Gericht freigesprochen.

Im Lauf seines Lebens baute Kneipp das Wissen über die heilende Wirkung von Wasser und Heilpflanzen mit seinen eigenen Erkenntnissen zu einer systematischen Lehre aus. Er ergänzte seine bisher entwickelten und überarbeiteten Therapieformen um weitere Heilmethoden und entwickelte ein ganzheitliches Gesundheitskonzept für Körper und Geist.

Sebastian Kneipps Erkenntnisse über die heilende Kraft der Natur und das Zusammenspiel der fünf Säulen, Wasser, Pflanzen, Bewegung, Ernährung und Balance, sind bis heute das Fundament für die Rückbesinnung auf natürliche Heilmethoden und für konsequente Prävention.

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Maximilian Bircher-Benner (1867 – 1939) studierte in Zürich Medizin und ließ sich dort 1891 auch als Arzt nieder.

Schon während seines Studiums beschäftigte er sich intensiv mit Naturheilkunde, Hydrotherapie und Diätetik. 1904 eröffnete er dort das Sanatorium „Lebendige Kraft“, wie damals üblich eine Kurklinik für Begüterte. Sein soziales Denken zeigte sich in der Eröffnung einer Abteilung für Wenigerbemittelte, die vergünstigt wohnen konnten, aber dafür in Küche und Wäscherei mitarbeiteten.

Bircher-Benner erprobte eine sorgsam pürierte Rohkost-Diät und testete sie auch im Selbstversuch, als er an Gelbsucht erkrankte. Er erprobte diese Diät an vielen anderen schwerkranken Menschen. in Verbindung mit einem Übergang zu lactovegetarischer Vollwertkost.

Bekannt geworden sind vor allem das „Birchermüsli“ und der von ihm geprägte Begriff der Vollwertkost.

1903 veröffentlichte Bircher-Benner die Schrift „Grundzüge der Ernährungstherapie auf Grund der Energetik“, in dem er postulierte, dass die Energie in Nähstoffe vom Sonnenlicht abhängt. Moderne Forschungen bestätigen diesen Denkansatz auch wissenschaftlich, Bircher-Benner wird damit zu einem Vorreiter für gesunde und holistische Ernährung.

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Maria Treben (1907–1991) gilt als Vorreiterin der österreichischen Naturheilkunde, ihr Lebensmotto war es, im Einklang mit der Natur zu leben. Ihre Mutter war leidenschaftliche Kneippanhängerin und brachte sie mit der Pflanzenwelt in Berührung.

1946 erkrankte Maria Treben an Typhus, als sie in einem Flüchtlingslager in Bayern war. Eine Schwester half ihr mit Heilkräutern, genauer gesagt mit Schwedenkräutern, und nach kurzer Zeit war Maria Treben wieder gesund. Vermutlich war dies der Auslöser dafür, dass sie sich so intensiv mit Heilkräutern beschäftigt hat. Auffallend ist die deutliche Verbindung zu den Ideen von Pfarrer Kneipp. Ihr Wissen holte sie aus alten Kräuterbüchern, Überlieferungen aus der Bevölkerung und der Begegnung mit Richard Willfort, Biologe und Autor eines Buches über Heilkräuter. In intensiver Beschäftigung studierte sie Kräuterbücher, sammelte Pflanzen und testete ihren Heilungscharakter.

Maria Treben bezog sich in ihrem Wirken immer sehr auf ihren Glauben, ein Punkt der heute oftmals Anlass zu Fragen gibt und Kritiker heute vor allem an der wissenschaftlichen Haltbarkeit ihrer Theorien zweifeln lässt. Ihr 1971 veröffentlichtes Buch „Die Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ wurde allerdings mit über acht Millionen verkauften Exemplaren ein Bestseller und wird auch heute von vielen gerne als Nachschlagewerk genutzt.